Von alten Feldern zu modernen Laboren

Natalie Mueller
© anthropology.wustl.edu

Einblicke vom ersten Webinar des NFP 84 zum Spannungsfeld zwischen traditionellen agroökologischen Systemen und neuen Pflanzenzüchtungsverfahren

Die Professorin Natalie Mueller eröffnete das erste Webinar des NFP 84 mit einer archäologischen Betrachtung der Domestizierung, Züchtung und Pflanzenentwicklung. Aus anthropologischer Sicht, so betonte sie, sei Domestizierung nicht mit moderner Züchtung gleichzusetzen, da sie sich stufenweise über Tausende von Jahren durch ökologische Wechselwirkungen zwischen Menschen, Pflanzen, Landschaften und Kulturen entwickelt habe. Die moderne Züchtung, vor allem die Geneditierung, finde dagegen vorwiegend in Laboren und durch Menschen statt.

Anhand der Beispiele des Getreideanbaus in der Antike sowie des Anbaus von Mais, Chili und Maniok im Amazonasgebiet zeigte Professorin Mueller auf, wie Anbauverfahren, regionale Ökosysteme und Saatgutbörsen jene Vielfalt hervorgebracht haben, auf die sich die moderne Wissenschaft heute stützt. Sie betonte, dass Domestizierung ein fortlaufender Prozess sei, der weltweit bedroht sei, vor allem dort, wo die Vielfalt in landwirtschaftlichen Betrieben durch industrielle Landwirtschaft und die Konsolidierung von Saatgutsystemen verringert werde.

Die Arbeit von Professorin Mueller steht in direktem Zusammenhang zum NFP 84, dessen Ziel es ist, neue Pflanzenzüchtungsverfahren aus technischer, sozialer, ethischer, ökonomischer und regulatorischer Perspektive zu bewerten. Das Webinar machte somit deutlich, dass bei der Bewertung von NBT sowohl Nutzen als auch Risiken berücksichtigt sowie technologische Fortschritte in den Kontext komplexer agroökologischer und sozioökonomischer Systeme eingeordnet werden müssen – genau die integrierte Perspektive, die das NFP 84 fördern möchte.