Alte Wurzeln, neue Züchtung

Alte Wurzeln, neue Züchtung
© Eilis Garvey / Unsplash

Die erste Webinar-Reihe hat vielfältige, aktuelle Perspektiven zur Pflanzenzüchtung aufgezeigt, von archäologischen Erkenntnissen über datengestützte Innovationen bis hin zu rechtlichen Rahmenbedingungen.

Die neu gestartete Webinar-Reihe des NFP 84 wurde von Professorin Natalie Mueller eröffnet, die eine archäologische Perspektive auf Domestizierung, Züchtung und Pflanzenevolution bot. Sie betonte, dass sich die Domestizierung über Jahrtausende hinweg schrittweise durch ökologische Wechselwirkungen zwischen Menschen, Pflanzen, Landschaften und Kulturen vollzogen habe. Im Gegensatz dazu findet die moderne Züchtung, insbesondere die Genbearbeitung, hauptsächlich in Laboren statt. Ihre Arbeit unterstreicht, dass die Bewertung neuer Züchtungstechnologien die Abwägung von Vor- und Nachteilen erfordert und dass technologische Fortschritte in komplexen agroökologischen und sozioökonomischen Systemen verortet werden müssen.

Im darauffolgenden Webinar untersuchte Professor Hans Dätwyler, wie Daten Züchter und Züchterinnen dabei unterstützen können, komplexe Informationen in praktische Entscheidungen umzusetzen. Er zeigte die wachsende Verfügbarkeit von Daten auf und wies auf die Herausforderung hin, diese Informationen in fundierte und umsetzbare Entscheidungen zu übersetzen. Professor Dätwyler veranschaulichte auch, wie analytische und rechnergestützte Ansätze Selektionsprozesse verbessern, die Effizienz steigern und dabei helfen können, die zunehmende biologische und ökologische Komplexität zu bewältigen. Die Diskussion danach befasste sich mit praktischen Aspekten der Umsetzung, darunter Datenqualität, Zugang zu Fachwissen und Infrastruktur.

Im letzen Webinar vor der Sommerpause gaben Anna Borràs und Ilaria Ciabatti von der Europäischen Kommission einen Überblick über den aktuellen EU-Vorschlag zur Regulierung neuer genomischer Techniken in der Pflanzenzüchtung. Sie skizzierten die bestehende Gesetzgebungen und erläuterten, warum die jüngsten wissenschaftlichen Entwicklungen deren Angemessenheit in Frage gestellt haben. Der neue Vorschlag würde ein zweistufiges System einführen, das zwischen Pflanzen unterscheidet, die ähnlich wie konventionelle Kulturpflanzen behandelt werden, und denen Pflanzen, die weiterhin angepassten GVO-Vorschriften unterliegen. Die anschliessende Diskussion befasste sich mit Herausforderungen bei der Umsetzung, darunter Nachweismethoden, Schwellenwerte für genetische Veränderungen und internationale regulatorische Unterschiede.

Informationen zu den nächsten Webinaren finden Sie im Veranstaltungsbereich dieser Website.