Wie präzise sind neue genomische Techniken?

Viele Behauptungen hinsichtlich der Präzision und Vorhersagbarkeit der Gene Editing-Technologie sind laut Professor Emeritus Michael Antoniou nicht durch Versuchsdaten gestützt.
In unserem neuesten NFP 84-Webinar behandelte Professor Emeritus Michael Antoniou vom King’s College London die wissenschaftlichen Unsicherheiten, die mit neuen genomischen Techniken (NGT) und ihrer Anwendung in der Landwirtschaft einhergehen. Zwar erkennt er die potenziellen Vorteile der modernen Biotechnologie an, stellt jedoch infrage, ob Gene Editing so präzise, vorhersagbar und sicher ist, wie gelegentlich behauptet wird.
Ein zentraler Schwerpunkt der Präsentation war die Anwendung der CRISPR Cas-Technologie in der Pflanzenzüchtung. Antoniou erläuterte, dass Gene Editing zwar gezielte Veränderungen in der Pflanzen-DNA bewirken, der Prozess aber auch unbeabsichtigte Veränderungen hervorrufen kann. Das können Veränderungen an unerwünschten Stellen im Genom, grössere strukturelle DNA-Neuanordnungen oder die unbeabsichtigte Einbringung von Fremd-DNA sein. Laut Antoniou zeigen diese Auswirkungen, warum sowohl das Gene Editing-Verfahren als auch seine Enderzeugnisse in Sicherheitsbewertungen berücksichtigt werden müssen.
Das Webinar behandelte zudem den bevorstehenden europäischen Rechtsrahmen für NGT. Antoniou äusserte Bedenken bezüglich der Idee, bestimmte gentechnisch veränderte Pflanzen von den Anforderungen an die Sicherheitsbewertung und Kennzeichnung, die für genetisch veränderte Organismen gelten, auszunehmen. Er sprach sich für umfangreichere Molekularanalysen aus, unter anderem Genomsequenzierung und biochemische Profilierung, um mögliche unbeabsichtigte Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Pflanzen, den Nährwert und die Lebensmittelsicherheit festzustellen.
Die Aufzeichnungen des NFP 84-Webinars sind auf Anfrage verfügbar.